Ein Zeichen gegen Mobbing! Auch bei uns!

„Diesen Tag werdet ihr vermutlich niemals in eurem Leben vergessen.“

Dies waren am 24.09.19 die einleitenden Orte von Carsten Stahl an die Schüler der 8b und 7b und weiteren 4 Schulen in der Turnhalle der „Gemeinschaftsschule Am Roten Berg“ in Erfurt. Nach der Veranstaltung kann ich behaupten, dass er damit vermutlich Recht behält.

Bereits zu Anfang machte er kein Geheimnis aus seiner kriminellen Vergangenheit und folgenschweren Ereignissen auf sein weiteres Leben. Mit diesen offenen und eindringlichen Worten wird sofort klar, dass es ihm eine Herzensangelegenheit ist, die Kinder an seinen Erfahrungen und Bewegründen im Kampf gegen Mobbing teilhaben zu lassen.

In eher belustigender Erzählung wurde anfangs vor Augen geführt, wie sich Jungs und Mädchen am Morgen verhalten, bevor es in die Schule geht. Dieses Stimmungshoch blieb erhalten, als es um das Zusammentragen der schlimmsten Schimpfwörter ging, welche die Kinder täglich hören. Diese Liste füllt schnell ein ganzes Flipchart.

Zum Lachen fand Carsten Stahl das allerdings nicht!

Die Atmosphäre kippte schlagartig, als Carsten Stahl mit lauter Stimme vor Augen führte, das er weder zum Lachen, Anfeuern oder Applaudieren aufgefordert hatte! Im Folgenden fragte er die die Schüler, wer schon einmal gemobbt worden seien, fast alle hoben die Hand. Dann wollte er wissen, wie viele Schüler selbst schon einmal jemanden beleidigt, geschlagen oder gemobbt hätten, wieder hoben fast alle die Hand. Schließlich beantworteten einige Kinder die Frage, ob sie bereits daran gedacht haben ihrem Leben vorzeitig ein Ende zu setzen, ebenfalls mit dem Heben der Hand.

Nun mit ruhigerer Stimme führte er seine Gedanken fort: "Solche Worte benutzt ihr und findet sie lustig. Ihr denkt, das hier ist cool? Jeden zweiten Tag bringt sich in Deutschland ein Kind um. Und viele dieser Worte hat das Kind vorher gehört. Das sind keine Worte. Das sind Kugeln, die ihr mit eurem Mund abfeuert." Das hatte gesessen! Keiner redete ein Wort, Einige weinten leise vor Betroffenheit.

Mit gesenkter Stimme erzählt Carsten Stahl nun von etwas zu kleinen, dicklichen und rothaarigen Zehnjährigen. Dessen Martyrium beginnt mit Schlägen, Beleidigungen, Bedrohungen und Erniedrigungen nach Schulende. Alle Versuche der Gruppe seiner Peiniger zu entkommen, scheiterten.

Den Höhepunkt erfährt diese Leidensgeschichte mit dem Stoß dieses Jungen in eine metertiefe Baugrube. Bevor man das verletzte Kind zurücklässt, pinkeln sie auf das blutende Kind. Erst 6 Stunden später wird der Junge durch einen Spaziergänger gerettet, wacht nach 4 Tage Koma wieder auf. "Und wisst ihr was? Dieser Junge – war ich!" Der letzte Satz machte die Stille in der Halle kaum aushaltbar. Alle wischten sich verstohlen die Tränen weg. Als Carsten Stahl dann noch den Bogen zu seinem Sohn und dessen Gewalterfahrungen in der Grundschulzeit zieht, hat er auch den letzten Mitanwesenden in seinen Bann gezogen.

Wenig überraschend erschien dann die Reaktion auf die Frage, wer ein Plakat mit einer Anti-Mobbing-Verpflichtung unterschreiben will. Kinder wie auch Erwachsene stürmten unter tosenden Applaus nach vorn! Ich möchte an dieser Stelle Carsten Stahl zustimmen. Auf diese Verpflichtung und resultierendes Verhalten gegen Mobbing kann man stolz sein, nicht auf beleidigenden Worte, materielle Reichtümer oder kriminelles Verhalten!

Vielen Dank an Carsten Stahl und allen Mitwirkenden für dieses Engagement gegen Mobbing und die ehrlichen und berührenden Worte.

bilder@sarah.fröhlich

Die Teilnahme unserer Schüler*innen ist von unserem "Verein der Freund und Förderer der Regelschule Albert Schweitzer Saalfeld e.V.“ im Rahmen des Bundesprogramms „Menschen stärken Menschen“ ermöglicht. Der Thüringer Landesverband der Schulfördervereine e.V. (TLSFV) hat den Tag im Rahmen des Bundesprogramms geplant und veranstaltet. Vielen Dank!!!

Bernadett Weidhaas

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